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Es ist Sommer! – Gott sei Dank.

Geistlicher Impuls des Dekans

Es ist Sommer! – Gott sei Dank.

Es ist Sommer. Das ist nicht zu bestreiten.
Für die einen ist der Sommer klasse: Die Bäume stehen voll im Laub. Auf den Feldern reift die Ernte heran. Es blüht und summt und brummt. Einfach herrlich.
Für die andern ist der Sommer eine Herausforderung: Es ist viel zu heiß an manchen Tagen. Man möchte gar nicht aus dem Haus gehen. Und dann die Trockenheit. Wahrlich kein Vergnügen, der Sommer.

Der Sommer in diesem Jahr hat so seine „Lasten“, die wir tragen müssen:

Da ist viel zu viel Corona! Die Hoffnungen auf ein „Corona-Loch“ im Sommer haben sich leider nicht erfüllt. Und dann der Krieg in der Ukraine. Er gehört fast zum Alltag in den Nachrichten. Wir haben uns an den Krieg leider schon gewöhnt. Das ist furchtbar! – Und die Kriegsfolgen für die Weltwirtschaft, die Energieversorgung Europas und die Welternährungssituation sind zwar schon deutlich zu spüren, aber noch nicht voll erfasst!

Dieser Sommer ist leider alles andere als unbeschwert.

Und trotzdem! Wir lassen uns den Sommer nicht vollkommen „vermiesen“! Der Sommer ist die Zeit des Lichts und des Lebens. Die Tage scheinen nahezu endlos lang, die Nächte sind kurz. Das Leben ist zu spüren. Der Sommer, das Leben, will gelebt und auch genossen sein. Trotz allem!

Genau darin sehe ich eine Parallele zu unserem christlichen Glauben. Denn auch unser Glaube ist keine „Schönwetterveranstaltung“ in einer heilen Welt. Ganz im Gegenteil: Wir Christen vertrauen auf Gott, gerade angesichts des Elends und des Leides. Um es mit den Worten des Kirchenjahres zu sagen: Wir verdrängen den Karfreitag und das Leiden nicht.
Aber wir leben von Ostern her, von der Auferstehung! Unsere Botschaft ist das Leben! Unsere Grundstimmung ist die Hoffnung auf das Leben!
Wie kaum ein anderer hat der Lieddichter Paul Gerhardt diese „Grundstimmung“ in Worte gefasst. Er lebte im 17. Jahrhundert, im sogenannten „30-jährigen Krieg.“ Ganz Mitteleuropa stand damals in Flammen. Auch persönlich hat Paul Gerhardt schlimmes Leid erlebt und im Glauben verarbeitet. Der Tod seiner Kinder sei nur beispielhaft erwähnt.
Paul Gerhardt fand in schlimmen Zeiten Worte des Gottvertrauens, Worte des Lebens.

Im Evangelischen Gesangbuch steht unter der Nummer 503 eines der bekanntesten – und wie ich finde schönsten – Sommerlieder unserer Tradition. Dort heißt es unter anderem:

Geh aus mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben…
Die Bäume stehen voller Laub. Das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide. Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.
Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt…
Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe. Gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe..

Es ist Sommer. Damals und heute.

Ich wünsche Ihnen von Herzen einen Sommer, der den poetischen Worten von Paul Gerhardt entspricht. Einen Sommer voller Lebendigkeit. Ein Sommer, der Ihnen Lebensfreude schenkt. Einen Sommer, der Sie zum Lob Gottes „nötigt“ – trotz allem!

Bleiben Sie behütet und wenn möglich gesund!

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Ralph Krieger, Dekan

 

Dekan Ralph Krieger © Krieger